Ernst Nolte

Dr. phil., em. Professor für Neuere Geschichte

Rückblick und Rechenschaft nach vier Jahrzehnten

Vom “Faschismus in seiner Epoche” bis zur “Historischen Existenz”

   Ich bin mir bewusst, dass das Thema dieses Vortrags im Munde eines Historikers als schwer verständlich, wenn nicht sogar als anmaßend empfunden werden muss. Das Recht, nach 40 Jahren einen Rückblick vorzunehmen, gesteht man einem bekannten Künstler gern zu; und von einem einflussreichen Politiker darf man sogar erwarten, dass er am Ende seines Lebens der Öffentlichkeit Rechenschaft über die Entscheidungen gibt, die er getroffen hat. Es wäre jedoch gewiss nur für einen Kreis engster Fachgenossen von Interesse sein, wenn ein Historiker für die Darstellung seines Lebenswerks den Titel wählte: “Von dem Buch über den Grossen Kurfürsten bis zu den Studien zur Vorgeschichte der Balkankriege”. Aber als im Jahre 1963 mein Buch “Der Faschismus in seiner  Epoche. Action française - italienischer Faschismus - Nationalsozialismus” erschienen war, schrieb die “Neue Rundschau”: “Nolte legt diese Logik der Geschichte des Faschismus schon in dessen Struktur frei. Den erkämpften und gewaltsamen Sieg über den Faschismus wiederholt er in seinem Werk für die  Geschichtsschreibung”, und das Hauptorgan der aufkommenden marxistischen Linken, “Das Argument”, glaubte feststellen zu dürfen, heute scheine die Zeit dafür reif zu sein, dass die Wissenschaft über den Kalten Krieg triumphiere, und das Buch über den “Faschismus in seiner Epoche” habe als eins der ersten eine Bresche geschlagen.

   Aber am Rande der vielen zustimmenden Äußerungen waren auch Urteile ganz anderer Art zu finden. Das führende Organ der radikalen Rechten, “Nation Europa”, meinte, das ungewollte Verdienst des Buches bestehe darin, gezeigt zu haben, “wie sehr alle Kulturen und alle Völker von den Trägern der praktischen und der theoretischen Transzendenz bedroht sind”, und als Sprecher der DDR-Geschichtsschreibung behauptete Joachim Streisand, das Buch beweise, wie sehr man in Westdeutschland hinsichtlich der Frage nach dem Faschismus “noch um eine ganze historische Epoche zurück” sei.

   Dieses Werk, das außerhalb allen Zusammenhanges mit der akademischen Geschichtswissenschaft  geschrieben und dann doch durch die Initiative Theodor Schieders von der Universität Köln als Habilitationsschrift angenommen wurde, stand also von vornherein in einem Mittelpunkt des zeitgenössischen, weit über die Historie hinausgreifenden Interesses. Das war nur zum geringsten Teil das Verdienst seines Autors. Zehn Jahre früher, 1953, wäre ein Buch, das den Begriff “Faschismus” im Titel geführt hätte, vermutlich auf das Desinteresse gestoßen, das nach dem Ende der “Entnazifizierung” und zum Beginn des “Wiederaufbaus” der Erinnerung an die “Nazizeit” begegnete, und zehn Jahre später, 1973, wäre es wohl als ein weiterer Beitrag zu einem “Modethema” abgetan worden. Große öffentliche Aufmerksamkeit kann ein Werk der  Geschichtswissenschaft nur dann hervorrufen, wenn es einen Gegenstand von potenziell hervorstechender Wichtigkeit erstmals zum Thema macht. Der Autor mag wenige Jahre später vergessen sein, nachdem er sich “normalen” Forschungsaufgaben zugewandt hat.

   Meine nächsten Bücher, “Deutschland und der Kalte Krieg” von 1974 und “Marxismus und Industrielle Revolution” von 1983 sind sogar von der Wissenschaft kaum zur Kenntnis genommen worden, und sie wurden in keine fremde Sprache übersetzt. Aber ein zufällig entstandener Zeitungsartikel mit dem nicht von mir selbst gewählten Titel “Die Vergangenheit, die nicht vergehen will” löste 1986 den so genannten  “Historikerstreit” aus, von dem man sagen muss, er habe noch weit mehr an Aufmerksamkeit erregt als der “Faschismus in seiner Epoche”, doch diesmal ganz überwiegend im negativen Sinne. Der am weitesten verbreitete Vorwurf zielte auf  die angebliche “Verharmlosung” oder “Relativierung” des Nationalsozialismus, und es lässt sich nicht leugnen, dass der weitaus größte Teil der Stimmen aus Wissenschaft und Publizistik sich mit Nachdruck, ja mit Leidenschaft gegen mich - und auch gegen Andreas Hillgruber - aussprachen. Bei vielen jüngeren Historikern wurde es nun rasch zur Gewohnheit, dass ich nicht mehr zitiert wurde und dass sogar “Der Faschismus in seiner Epoche” in den Literaturlisten keine Aufnahme mehr fand. Ich unterlag mithin einer Art von Ächtung, spätestens seit 1994, nachdem ich mich in der FAZ negativ zur Verschärfung des Gesetzes zur so genannten “Auschwitz-Lüge” ausgesprochen und mit dem “Spiegel” ein langes Gespräch geführt hatte, das in mancher Hinsicht “politisch unkorrekt” war. Im Sommer 2000 erschien in eben diesem Magazin ein Artikel von Marcel Reich-Ranicki mit der Überschrift “Tollheit mit Methode”, in dem der “Papst der deutschen Literaturkritik” unter anderem folgendes schrieb: “Es ist schon ein Kreuz mit diesem Nolte, dem höchst dubiosen Historiker...... Seit vielen Jahren wirbt er um Verständnis für den Nationalsozialismus, er ist bemüht, ihn zu verteidigen und natürlich die deutschen Verbrechen zu bagatellisieren.... Ist dieser Nolte überhaupt noch zurechnungsfähig? “Schon in  seiner höchst populären, in Deutschland vielhunderttausendfach verbreiteten Autobiografie “Mein Leben” hatte mich Reich-Ranicki eine “trübe, ja verächtliche Figur der deutschen Zeitgeschichte” genannt. Ich war also, wie es  scheint, in Deutschland - wenn auch nicht in Italien oder in Frankreich - definitiv zur “Unperson” geworden. Die Frage ist: Hatten sich meine Auffassungen zwischen 1963 und 2000 so sehr geändert, dass ich mit Recht aus einem, wie man sagen könnte, “Liebling” der öffentlichen Meinung zu deren Hassobjekt geworden war, oder war die Änderung überwiegend auf der anderen Seite zu verzeichnen?

   Ich werde nun folgendermaßen vorgehen: Zunächst will ich in einem Rückblick die wesentlichen Fragestellungen und Gedankengänge meiner Bücher herauszustellen versuchen, wenngleich in stärkster Verkürzung. Dann werde ich, nicht ganz ohne Zuspitzung, über diejenigen “Thesen” Rechenschaft geben, die am meisten Anstoß erregt haben.

   Der “Faschismus in seiner Epoche” lässt bereits durch seinen Untertitel erkennen, dass es sich um ein Werk der vergleichenden Geschichtsbetrachtung handelt; insofern hätte auch damals schon der Vorwurf der “Relativierung” erhoben werden können. Aber das geschah allenfalls ganz am Rande, denn der Ton lag offenbar vornehmlich auf der Unterscheidung, wenn die Action française als “Frühfaschismus”, der italienische Faschismus als  “Normalfaschismus” und der deutsche Nationalsozialismus als ”Radikalfaschismus” charakterisiert wurden. Wichtiger war jedoch, dass über die einzelnen faschistischen Bewegungen und Regime nicht nur unter verschiedenen Fragestellungen wie etwa “Geschichte” ”Doktrin” und “Praxis” viel an Erzählung und Analyse vorgelegt wurde, sondern dass auch “der Faschismus” als generischer, übergreifender Begriff eingegrenzt, “definiert” wurde, und zwar folgendermaßen: “Faschismus ist Antimarxismus, der den Gegner durch die Ausbildung einer radikal entgegengesetzten und doch benachbarten Ideologie und die Anwendung von nahezu identischen und doch charakteristisch umgeprägten Methoden zu vernichten trachtet, stets aber im undurchbrechbaren Rahmen nationaler Selbstbehauptung und Autonomie”.

   Diese Definition bedeutet, dass der Faschismus nicht ohne Bezugnahme auf das ältere Phänomen des  Marxismus verstanden werden kann und dass, um ein bekanntes Wort von Max Horkheimer abzuwandeln, vom Faschismus schweigen soll, wer nicht vom Marxismus reden will. Aber der Marxismus wird nicht etwa angeklagt und verworfen, sondern er gilt offenbar als ein ungemein starkes und bedeutendes Phänomen, da er diesen faschistischen Antimarxismus und offenbar auch andere Antimarxismen zur Bezugnahme zwingen, ja sogar erzeugen kann. Und beim Marxismus bleibt diese “Faschismustheorie” nicht stehen, sondern sie nimmt ausdrücklich auf jene Gesellschaftsordnung Bezug, aus der sowohl der Marxismus wie der Faschismus hervorgegangen sind und die als die Gesellschaftsordnung des “Liberalen Systems” bezeichnet wird. Diese wird wiederum mit einem philosophischen Begriff in Beziehung gesetzt, demjenigen der “Transzendenz”, dem “Wesen des Menschen”. In der Gesellschaft des Liberalen Systems, so heißt es, wird die Transzendenz, die als “Weltbezug” oder “Weltoffenheit” den Menschen von allen anderen Wesen unterscheidet, erstmals über Religion und Philosophie hinaus “praktisch”, d.h. zur konkreten Weltbemächtigung. Von hier aus erklärt sich die zweite und philosophische Definition des Faschismus, die sich auf den Nationalsozialismus als “Radikalfaschismus” beschränkt: “Der Nationalsozialismus war der Todeskampf der souveränen, kriegerischen, - in sich antagonistischen Gruppe -. Er war praktischer und gewalttätiger Widerstand gegen die Transzendenz”.

   Wenn man bedenkt, welch große und positive Bedeutung der Begriff “Fortschritt” im Marxismus hat und wie nahe es liegen mag, “Transzendenz” als “Fortschritt” zu verstehen, dann kann sich der Gedanke aufdrängen, in diesem Scheitern des National-sozialismus einen Sieg des Marxismus oder mindestens des Progressivismus zu sehen, zumal das Scheitern aufs engste mit dem Versuch einer “Endlösung der Judenfrage” zusammengebracht wird, in welcher der nationalsozialistische Vernichtungswille sich auf freilich vermittelte Weise gegen die Transzendenz richtet. Daher kann gesagt werden, den Millionen der Opfer des ns Vernichtungswillens werde durch diese Interpretation “die höchste aller Ehren” zuteil, nämlich die Einsicht, “dass sie, die als Bazillen vertilgt wurden, nicht als unglückliche Opfer eines widerwärtigen Verbrechens starben, sondern als Stellvertreter bei dem verzweifeltsten Angriff, der je gegen das menschliche Wesen und die Transzendenz in ihm geführt wurde.”

   Aber der Eindruck, in seinem Ergebnis bringe das Buch nichts anderes als den Triumph des Marxismus über seinen faschistischen Todfeind zu Wort, war unrichtig. Gewiss war der ganze Faschismus schon durch den Ausgang von der “Action française” der europäischen konterrevolutionären Tradition zugeordnet worden, und die  Kennzeichnung der Intention von Charles Maurras, den “autark-souveränen, kriegerischen, aristokratischen Staat des Ancien régime als Paradigma für alle französischen Zeiten” bedingungslos zu verteidigen bzw. wiederherzustellen, lässt das Verfehltsein und die Aussichtslosigkeit des Unternehmens noch anschaulicher werden als im Falle Hitlers. Aber “Transzenden” bedeutet eben nicht “Fortschritt” in der üblichen Konnotation mit positiver Unwiderstehlichkeit, sondern sie ist als “neutraler Strukturbegriff” gefasst. Und daher wird der Grundemotion von Maurras, der Angst, die er angesichts der sich abzeichnenden Weltentwicklung hin zu Barbarei und Kulturlosigkeit empfindet, viel Verständnis entgegengebracht. Und ebenso wird eine durchaus  menschliche Empfindung, eben die Angst, als Ursprung der Reaktionen Adolf Hitlers wahrgenommen, sodass die  Vorstellung vom “absoluten Bösen”, so entsetzlich die resultierenden Taten sind, nicht akzeptiert werden kann. Auch der Marxismus wird ja in der angeführten Definition unzweideutig als eine “Vernichtungslehre” gekennzeichnet, und bekanntlich hat er aus seinem Vernichtungswillen noch weniger ein Geheimnis gemacht als der Nationalsozialismus.

   Was er vernichten wollte, war “der Kapitalismus” und in der Praxis “das Bürgertum” oder “das Unternehmertum”. Zwar zielte dieser Vernichtungswille, anders als derjenige des Nationalsozialismus, nicht - oder nur in geringem Maße - auf die physische Ausrottung einer Personengruppe ab; er war vielmehr von der zuversichtlichen Erwartung getragen, dass “die Geschichte” selbst diese Vernichtung vornehmen werde, indem sie das ausgebeutete “Proletariat” zur übergroßen Mehrheit der Bevölkerung machen werde. Aber “das Bürgertum” war einer der am meisten charakteristischen Bestandteile der Gesellschaftsordnung des “Liberalen Systems”; es mochte mithin sein, dass der Vernichtungswille gegen “die Kapitalisten” ebenso in die Irre ging wie der Vernichtungswille gegen die Juden und dass daher sogar in der “Re-aktion” von Maurras und Hitler mehr als bloße Verstehbarkeit enthalten war.

   Ein hohes Maß an Anschaulichkeit vermittelt die Figur Mussolinis, die Hauptperson des Zweiten, dem italienischen Faschismus gewidmeten Teils. Es wird nachgewiesen, dass der junge Mussolini einer der Hauptvertreter des “revolutionären Marxismus” (und nicht etwa bloß eines romantischen Syndikalismus) in Italien war, ja seit 1912  d e r  Haupt-vertreter, welcher innerhalb des europäischen Sozialismus einen Platz neben Lenin und Rosa Luxemburg beanspruchen durfte. Als solcher macht er im Rahmen des Buches die wichtigste Ursache der “Angst” sowohl von Maurras wie von Hitler anschaulich, eben den Marxismus als das erste  Phänomen der Weltgeschichte, in dem das von jeher vorhandene “Aufbegehren” der Armen und Unterdrückten, doch nun auch der chiliastisch gesinnten Intellektuellen, zu einer großen, zuversichtlich einen “Endsieg” erwartenden Organisation geworden war - bei den Reichstagswahlen von 1912 errang die deutsche Sozialdemokratie mehr als ein Drittel der Stimmen, und Mussolinis “Partito Socialista Italiano” brachte den  Ministerpräsidenten Giolitti bei dessen Kolonialunternehmen gegen Libyen in schwere Bedrängnis. Aber der Ausbruch des Weltkriegs und das Verhalten der sozialistischen Massen und Parteien wurde von allen Linkssozialisten wie Lenin und Luxemburg als “Katastrophe” und als “Verrat” empfunden. Mussolini dagegen stellte sich auf die Seite der kriegswilligen Strömungen im zunächst neutralen Italien, weil er - “wie Marx und Engels” - einen engen Zusammenhang zwischen Krieg und Revolution für gegeben hielt, und er trat 1919 an die Spitze der neu gegründeten faschistischen Bewegung, die noch geraume Zeit linkssozialistisch sein wollte und dann immer entschiedener den Weg des Nationalismus und der Bekämpfung des “bolschewistischen Revolutionsversuchs” einschlug. Mussolini begnügte sich jedoch nicht damit, die “bolschewistische Trunkenheit” des italienischen Proletariats zu geißeln, sondern er setzte seinen ehemaligen Genossen ganz nüchtern und rational auseinander, sie befänden sich mit ihrer These vom bevorstehenden Ende des Kapitalismus in einem schweren Irrtum, denn diesem Kapitalismus ständen noch mehrere Jahrzehnte der Entwicklung bevor. Damit befand er sich offensichtlich im Recht, und es ist nicht möglich, den “italienischen Bürgerkrieg” zwischen Kommunisten und faschistischen Antikommunisten bloß zu verurteilen, so abstoßend die faschistischen Methoden von “Rizinusöl und Schlagstock” zweifellos waren.

   Daher war es zwar nicht unrichtig, wenn “Der Faschismus in seiner Epoche” ganz überwiegend als ein  “antifaschistisches” Buch verstanden wurde, aber es handelte sich um einen distanzierten und selbstkritischen Antifaschismus, der dem Gegner nicht von vornherein und in jeder Hinsicht unrecht gab.

   Als 1974 “Deutschland und der Kalte Krieg” publiziert wurde, hatte der Antifaschismus der neomarxistischen Studentenbewegung im Zeichen seiner Lehrer, nicht zuletzt meines Marburger Kollegen Wolfgang Abendroth, große Schritte in die Richtung einer andersartigen Auslegungsmöglichkeit getan, und ich sah darin eine regionale Phase der neuen - in Wahrheit älteren - Auseinandersetzung ideologischer Mächte, des “Kalten Krieges” zwischen der bolschewistischen, sich als realisierten Marxismus verstehenden Sowjetunion und den kapitalistischen Vereinigten Staaten von Amerika. An die Stelle des “europäischen Bürgerkrieges” trat also der “Weltbürgerkrieg”, und Deutschland spielte darin eine bedeutende Rolle, aber die merkwürdige Rolle des  Heraustretens aus dem Zentrum der Ereignisse. So wurde der Gegenstand sehr stark ausgeweitet, sowohl in zeitlicher wie in räumlicher Hinsicht: nicht nur von “Präfigurationen” des Kalten Krieges in der Antike war nun die Rede, sondern auch von Korea, von Vietnam und von Israel. Aber das Thema des Faschismus verschwand so wenig wie dasjenige des Marxismus oder des Liberalen Systems. Im Hinblick auf den antikommunistischen  Putsch von 1965 in Indonesien mit seinen Hunderttausenden von Opfern wurde z.B. gesagt, fünfzig Jahre nach der Russischen Revolution sei das Prinzip der Vernichtung ohne Umwege durch das Prinzip der Gegenvernichtung beantwortet worden und damit sei auch Licht auf die durch ein Mythologem vermittelte “Judenvernichtung” in Deutschland gefallen. Die Russische Revolution wurde nun nicht mehr primär durch ihre Folgen in Italien zum Thema, sondern unmittelbar, und sie wurde als ”enthusiastisch und enthusiasmierend,  Schrecken erregend und notwendig den Gegenschrecken hervorbringend” gekennzeichnet. Dem “Liberalen System” war ein eigenes Unterkapitel gewidmet, und darin wurde der Begriff der “europäischen Revolution” entwickelt, die sowohl in England wie in Frankreich “originär, tief greifend und dennoch nach Begriffen der extremen Linken ‘unvollendet’ war” und der erst 1917 in Rußland ein andersartiger Typus von Revolution an die Seite trat. So war der Titel des Buches in gewisser Weise irreführend, weil zu eng, denn er hätte besser “Die Linke in der Geschichte und die Ära des Kalten Krieges” gelautet, und die ersten, folgenreichen Vorwürfe, die aus Amerika kamen, gingen insofern in die Irre, als sie aus dem Titel auf  “Nationalismus” schlossen und deshalb Warnungen artikulierten. Aber ich bestreite nicht, dass mir die deutsche Studentenbewegung als Zeugnis der  “inneren Kraft” der extremen Linken besonders wichtig war, und so geriet das Buch am Ende in die Nähe der damals aktuellen Auseinandersetzungen um die “Anerkennung der DDR” und die Zukunft Deutschlands. Es wurde dort nämlich eine Version der unumgänglichen “Entspannungspolitik” entfaltet, die von dem faktisch eingeschlagenen Wege erheblich abwich und doch die Ereignisse von 1989/90, d.h. die “Wiedervereinigung” Deutschlands, nicht antizipierte und insofern einen konkreten Irrtum darstellte. Dieses “insofern” bedürfte freilich einer ausführlichen Erläuterung, die an dieser Stelle nicht zu geben ist.

   Nach den schweren Turbulenzen des “maoistischen” Endstadiums der Studentenrevolution ging ich für ein Jahr von Berlin nach England und leistete hier die wichtigsten Vorarbeiten zu “Marxismus und Industrielle Revolution”, dem einzigen meiner Bücher, das im engen Sinne ein “gelehrtes” heißen darf, weil es die Wurzeln des Marxismus in der seit etwa 1760 stattfindenden intellektuellen Auseinandersetzung um das neuartige Phänomen der “Industriellen Revolution” entdeckt und auf ungewohnte, auch den Toryismus und den frühesten Antikapitalismus einbeziehende Weise zum Thema macht. Abermals geht es zugleich um das “Liberale System”, das ja nirgendwo bereits so weit ausgebildet war wie in dem England einer überall sonst unbekannten “Volksfreiheit” und einer “deliberierenden Aristokratie”. Der “dialektische Denkansatz” wird so charakterisiert, dass er Marx und Engels in Stand gesetzt habe, “die beiden Hauptauslegungen der Industriellen Revolution, die toryistische und die frühsozialistische bzw. antikapitalistische auf der einen Seite und die nationalökonomische auf der anderen, zu einer Einheit zusammenzufassen, die zugleich einen schroffen Angriff gegen beide in sich schloss”. Die Vorstellung eines Endzustandes und der vorherigen Vernichtung aller entgegenstehenden Realitäten war ein notwendiger Bestandteil dieses Denkansatzes, und so konnte Friedrich Engels zu einem Zeitpunkt, wo bedeutende englische Nationalökonomen wie Robert Torrens und Richard Jones die Bedeutung des Unternehmertums für die wirtschaftliche Entwicklung mit deutlicher Kritik an Adam Smith herausgearbeitet hatten, den “gnädigen Herren vom Kapital” im Januar 1848 höhnisch zurufen: “Wir haben euch vorderhand nötig....ihr müsst den Patriarchalismus vernichten, ihr müsst zentralisieren......Zum Lohn dafür sollt ihr eine kurze Zeit herrschen......ihr  sollt bankettieren im königlichen Saal und die schöne Königstochter freien, aber, vergesst es nicht, ‘Der Henker steht vor der Türe’”.

   Ein Gesang von Henker, Tod und Grab ist auch der intellektuelle Marxismus von Marx und Engels immer geblieben, der auf seine Weise eine nur halb versteckte Angst in eine Anklage gegen “Urheber”, ja an einigen  Stellen gegen die “bis ins innerste Herz jüdische” moderne Welt ummünzte, aber ich sage ausdrücklich, von Marx’ abstraktem und insofern scheinbarem Antisemitismus könne man nur durch ein Missverständnis zu Hitlers konkretem und wirklichem Antisemitismus kommen, obgleich dieses Missverständnis begreiflich sei.

   Trotzdem bedeutet die “Transformation des Marxismus durch den Leninismus”, die als “Ausblick” das Thema des letzten Kapitels ist, einen qualitativen Umbruch, da “nie zuvor ein zivilisierter Staat Geiselnahme und Sippenhaft zu seiner offiziellen Politik gemacht hatte” und da sich schon sehr rasch die bolschewistische Partei unter dem Zeichen eines “Klassenkampfes”, der gegen eine große Minderheit der Bevölkerung geführt werden musste, als “die größte Kraft planmäßiger Vernichtung” erwies, die es in der modernen Geschichte der Menschheit gegeben hatte. Und Adolf Hitler, der im Personenregister neben Michail Bakunin, Jeremy Bentham, Thomas Robert Malthus und vielen anderen kaum auftaucht, ist gleichwohl in doppelter Weise anwesend: als Widerlegter, der seinem Hauptfeind, dem Marxismus, eine ganz unzureichende Deutung zukommen ließ, der jedoch gerade deshalb das Konzept einer Gegenvernichtung entwickeln konnte, das aus Nebenbemerkungen von Marx eine ganze Geschichtsphilosophie vom Unheil des für “jüdisch” erklärten “Fortschritts” machte.

   Ich muss es im Rückblick für ein Unglück halten, dass das Thema des “Europäischen Bürgerkrieges 1917-1945”, das im Kern schon im “Faschismus in seiner Epoche” enthalten war und dessen detaillierte Behandlung sich nach den weiteren Büchern von 1974 und 1983 sozusagen aufzwang, durch einen von zufälligen Umständen verursachten Zeitungsartikel mit ziemlich plakativen Formulierungen vorweggenommen wurde. In der Tat war das gleichnamige Buch, das dann im Herbst 1987 erschien, im Frühjahr 1986 in den Grundzügen fertig, als ich mich veranlasst sah, einen für die Frankfurter “Römerberggespräche” vorgesehenen und mir nachträglich entzogenen Vortrag mit der vielzitierten Überschrift als Artikel in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” zu  publizieren. Zwar hatte ich schon längst zuvor einige der von Zorn, Hass und Erbitterung erfüllten Äußerungen Adolf Hitlers zu den Vernichtungsvorgängen der Russischen Revolution - dem “GULag”, wie man abkürzend und vorwegnehmend sagen mag - angeführt, aber seine Aussage über den “Rattenkäfig” als singuläres  Folterinstrument der Tscheka wirkte offenbar für viele Leser wie ein Schlag, so überaus erhellend für Hitlers Nichtvergessenkönnen sie war, und die zentrale Frage schien alles auf den Kopf zu stellen, was es an “Vergangenheitsbewältigung” in Deutschland gab: “Vollbrachten die Nationalsozialisten, vollbrachte Hitler eine “asiatische” Tat vielleicht nur deshalb, weil sie sich und ihresgleichen als potenzielle oder wirkliche Opfer einer “asiatischen” Tat betrachteten? War nicht der ‘Archipel GULag’ ursprünglicher als Auschwitz?” Damit schien das seit vielen Jahren - man könnte sogar sagen, seit dem “Faschismus in seiner Epoche” - so sehr Herausgestellte, “Auschwitz”, aus einem Primären zu etwas Sekundärem herabgesetzt zu sein, und während Hitler seit kurzem mehr und mehr für eine Personifizierung des “absoluten Bösen” erklärt worden war, schien ihm hier ein Maß an Verständnis entgegengebracht zu werden, das mit dem Begriff der “Verharmlosung” nicht zu erfassen war. Es fehlt mir daher nicht an Verständnis für die Explosion an Empörung, welche die Folge dieses Artikels und der Hauptinhalt des so genannten Historikerstreits war.

   Aber kaum einer der Publizisten und nur wenige der Historiker nahmen die Erläuterungen, Einschränkungen und Qualifizierungen zur Kenntnis, die ein Jahr später in Gestalt des Buches greifbar wurden. Mit ihm wurde abermals ein Stück vergleichender, sowohl erzählender wie analysierender Geschichtsschreibung vorgelegt, die nun auch im Detail ebenso sehr auf die Russische Revolution und umrisshaft auf die Geschichte Sowjetrusslands wie auf die nationalsozialistische Machtergreifung und umrisshaft auf die Geschichte des Dritten Reiches einging. Die bolschewistische und bereits marxistische Vorstellung vom “bevorstehenden Untergang der Weltbourgeoisie” wurde ebenso ernst genommen und doch “relativiert” wie das nationalsozialistische Schreckbild von “dem Juden”, der die Russische Revolution “gemacht” habe und sogar der “Drahtzieher der Geschicke der Menschheit” sei. Insofern erschien das bisher als “primär” Angesehene, der Nationalsozialismus, in der Tat als sekundär, ja als eine “verzerrte Kopie”, die freilich auch ältere und eigenständige Wurzeln hatte. Aber zumal in dem umfangreichen Vierten Kapitel “Strukturen zweier Einparteistaaten” wird auch der schroffe Unterschied zwischen den beiden Vernichtungskonzeptionen herausgearbeitet, derjenigen des “absoluten Humanismus” und des radikalen Egalitarismus, welche alle geschichtlich gewordenen Differenzen zwischen Klassen, Staaten und Geschlechtern zerstören will, auf der einen Seite, und derjenigen der Beseitigung alles dessen, was in eine  ursprüngliche und gesunde Welt der kriegerischen Gruppen Schwächung und Krankheit “ und insofern Geschichte - hineingebracht hat, auf der anderen. Zwei im Grunde archaische Konzeptionen sind also einander konfrontiert, die aber als militanter Universalismus bzw. militanter Partikularismus in einem verschiedenartigen Verhältnis zu der erkennbaren Welttendenz stehen, die man heute meist “Globalisierung” nennt. Von einer “Gleichsetzung” kann also keine Rede sein, wohl aber von einem “Ernstnehmen” und von der Skepsis gegenüber einer Parteinahme, die sich immer auf die Besiegten und die Opfer der Vergangenheit beruft und nicht wahrhaben will, dass die Nachfahren dieser Besiegten und dieser Opfer die Sieger und  teilweise die Täter von heute sind, sodass der Moralismus der Nachgeborenen vom Opportunismus nicht leicht unterscheidbar ist.

   Sowohl Publizisten wie Historiker hätten aber nach der Lektüre des “Europäischen Bürgerkriegs” sagen können und sagen müssen: Hier ist nach dem  negativ-nationalistischen, dem marxistischen, dem progressivistischen, dem jüdischen, und dem strukturell-totalitarismustheoretischen Paradigma der Interpretation der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Anknüpfung an die früheren Bücher des Autors ein weiteres Paradigma entwickelt worden, das von allen das älteste und einleuchtendste sein sollte, weil es die schroff entgegengesetzten und doch im Prinzip übereinstimmenden Interpretationen der kämpfenden Ideologiestaaten nicht von aussen kritisiert, sondern aus der Distanz heraus objektiviert und ihrer Ein-Seitigkeit entkleidet. Aber nicht zufällig ist das im Ältesten Begründete dasjenige, was als wissenschaftliches Werk das Jüngste ist, nämlich die “historisch-genetische Version der Totalitarismustheorie”, welche den übrigen Versionen ihr Recht lässt, weil sie weiß, dass die geschichtliche Realität viel zu umfangreich und widerspruchsvoll  ist, als dass sie mit einem Paradigma zureichend erfasst werden könnte. Diese ganz einfache Überlegung ist allerdings bisher so gut wie nie vollzogen worden, weil sogar Historiker es in der Regel vorziehen, als “anstößig” empfundene Sätze oder Halbsätze herauszugreifen und zu kritisieren.

   Ich will nun über die Verwendung eines Begriffs und den Sinn eines Satzes Rechenschaft geben, die in einen Bereich gehören, welcher der meisttabuisierte von allen ist und der in meinen Büchern zwar auf vielfältige Weise umrissen, aber nicht als solcher thematisiert worden ist. Es handelt sich um den Begriff "jüdischer Bolschewismus" und um meinen Satz, der etwa im Briefwechsel mit François Furet zu finden ist, auch in dem Antisemitismus Hitlers habe es einen “rationalen Kern”, d.h. einen verstehbaren, nachvollziehbaren Gehalt gegeben. Kein Begriff unterliegt in Deutschland und der ganzen Welt einer einhelligeren Verurteilung, keine meiner “Thesen” ist so einmütig zurückgewiesen worden, auch von Furet. Und doch muss sich in diesem Bereich am ehesten zeigen, ob auch auf Adolf Hitler die Maximen der Geschichtswissenschaft Anwendung finden können, nämlich die Forderung, im Rahmen des irgend Möglichen auch das Unverständliche verstehbar zu machen, den Motiven aller Handelnden gerecht zu werden und Objektivität selbst dann anzustreben, wenn aufseiten des Historikers  leidenschaftliche und gerechtfertigte Impulse vorliegen.

   Ich richte zunächst die Hauptaufmerksamkeit auf das Substantiv “Bolschewismus” und fasse das Adjektiv “jüdisch” nur nebenher ins Auge. Dabei beschränke ich mich zunächst auf den Zeitraum von 1919 bis 1923, in dem Hitlers Ideologie sich ausbildete und jedenfalls erstmals artikuliert wurde.

   In dem frühesten und besonders wichtigen Zeugnis von Hitlers Denken, dem im Auftrag des Hauptmanns Mayr geschriebenen Brief an Adolf Gemlich vom 16. September 1919 kommt das Wort “Bolschewismus” nicht vor. Hauptthema ist das Streben nach Geld, der “Tanz um das goldene Kalb”, die das Wesen der Juden ausmachten und die das Verlangen nach “Entfernung der Juden” zu einem elementaren Gebot der Bewahrung der eigenen Lebensform werden ließen. Erst am Schluss schreibt Hitler die Juden seien “ja auch die treibenden Kräfte der Revolution” gewesen. Der Zusammenhang von Judentum und Geldwirtschaft wird auch in den Reden, die Hitler nach seinem Eintritt in die “Deutsche Arbeiterpartei” vom Oktober 1919 an hielt, immer wieder hervorgehoben; offensichtlich handelte es sich um eine Verarbeitung der von den Linksparteien ins Zentrum gestellten Verdammungsurteile über den “Kapitalismus”. Das zweite immer wiederkehrende Hauptthema ist der Friede bzw. das Diktat von Versailles, also der aktuellste aller Gegenstände der damaligen Diskussion, dem Hitler durch den Vergleich mit dem Frieden von Brest-Litowsk einen besonders eindrucksvollen Aspekt abzugewinnen suchte. Im Dezember wird den Juden wie in dem Brief an Gemlich der Vorwurf gemacht, “durch Hetze und  Aufwiegeleien den Bruderkrieg zu schüren”. Am 16. Januar 1920 wird erstmals von den Kommunisten gesprochen, die nicht erkennen, dass sie “dem Großkapital dienen”, dessen “Schützer” die Juden sind. In den Notizen zu einer Rede am 9. Februar 1920 sind folgende Stichworte verzeichnet: “Diktatur”, “Marx und Engels”, “Bestrafung gegen Wucherer (Galgen)”, und es folgen die Sätze: “Bolschewisten im Anmarsch” sowie “Die  Russen stehen vor Polen”. Hitler nimmt offensichtlich auf den von Pilsudski initiierten Krieg gegen Sowjetrussland Bezug, der den Polen und Ukrainern inzwischen die ersten großen Rückschläge gebracht hatte und der nach einer für ganz Europa angstvollen Periode erst im August durch das unerwartete “Wunder an der Weichsel” entschieden werden sollte. In der folgenden Zeit häufen sich die Bezugnahmen auf den Bolschewismus und  Sowjetrussland, und ich verzichte jetzt auf die Terminangaben. Am meisten und nachdrücklichsten bringt Hitler mit unverkennbarer Leidenschaft den “Massenmord an der nationalen  Intelligenz” bzw. deren “Ausrottung” zur Sprache, und er nennt das Regime ”die jüdische Blutdiktatur ”oder “die Diktatur einer rücksichtslosen Minderheit”. An der Spitze stehe Lenin, “der Massenmörder”; nicht weniger als 300.000 Hinrichtungen seien unter den scheußlichsten Umständen vorgenommen worden. Im “russischen Leichenhaus” vollziehe sich “das Abschlachten der Geistigen” und dadurch werde das Volk zu ”Sklaven” gemacht, obwohl “das Jammern der Millionen dem rettungslosen Hungertod geweihten Arbeiter, Weiber und Kinder” die Massen zum Aufstand von Kronstadt getrieben habe. Der Bolschewismus sei eine “Geisteserkrankung”, die entweder im “Blutrausch des Wahnsinns” enden oder zur “Abrechnung” führen müsse. In  “Räte-Russland” ständen ”Trotzki, Lenin,  Sobelsohn” an der Spitze, “drei Juden”, die dem Volk 14 Stunden an täglicher Arbeit aufzwängen, nachdem sie den “Sozialismus des Klassenkampfes” gepredigt hätten, der etwas ganz anderes sei als der “wahre deutsche Sozialismus”, den die NSDAP vertrete. Im Sommer 1922 verknüpft Hitler die russische Schreckensherrschaft mit der Vergewaltigung des Rheinlands durch die Franzosen: “Chinesische Henker treiben in Petersburg ihr Handwerk, und am Rhein steht die schwarze Schmach”. Die Geschichte vom Rattenkäfig der chinesischen Tscheka wird von Hitler in seinen öffentlichen Reden nicht wiedergegeben, aber sie war im "Völkischen Beobachter" zu lesen, der sie anscheinend aus der dänischen “Berlingske Tidende” übernommen hatte, und zwanzig Jahre später sollte sich zeigen, dass sie sich Hitler tief eingeprägt hatte. Es handle sich um einen Kampf auf Leben und Tod zwischen zwei Weltanschauungen, in welchem es nur Sieger und Vernichtete geben werde, denn diese Einstellung sei dem Marxismus in Fleisch und Blut übergegangen. Die Bolschewisierung Deutschlands bedeute jedoch die Vernichtung der gesamten christlich abendländischen Kultur überhaupt. Sie schließe “Brand und Scheiterhaufen und Blutgerüste” ein; vor wenigen Jahren habe man ja in  München ein kleines Beispiel erlebt.

   Ich breche hier ab und weise lediglich darauf hin, dass sich die frappierendsten Aussagen in “Mein Kampf” nahtlos an diese frühen Äußerungen anschließen, zumal in dem großen Sündenregister”, das “den Juden” kurz vor dem Ende des Ersten Bandes vorgehalten wird: “Nun beginnt die große letzte Revolution.... Aus dem  demokratischen Volksjuden wird der Blutjude und Völkertyrann.... Das furchtbarste Beispiel dieser Art bietet Russland, wo er an dreißig Millionen Menschen in wahrhaft fanatischer Wildheit teilweise unter unmenschlichen Qualen tötete oder verhungern ließ, um einem Haufen jüdischer Literaten und Börsenbanditen die Herrschaft über ein großes Volk zu sichern.”

   Es wird meines Erachtens zu wenig wahrgenommen, dass gerade die wichtigsten “antisemitischen” Aussagen einen Bezug zum “Marxismus” aufweisen, wie etwa in der vielzitierten Prophezeiung über den möglichen Sieg des Juden über die Völker dieser Welt, der den Untergang der Menschheit implizieren würde, denn es heißt, dass der Jude diesen Sieg “mithilfe seines marxistischen Glaubensbekenntnisses” erringen könnte. Und als von Versailles und Brest-Litowsk, ja vom “Kapitalismus” kaum  noch die Rede ist, bleibt die anklagende Bezugnahme auf Sowjetrussland und die Verknüpfung von Bolschewismus und Judentum unverändert erhalten: der neu ernannte Reichskanzler scheut sich Anfang März 1933 nicht, der Sowjetunion die “Hunderttausende, ja Millionen” von Erschossenen vorzuhalten, und der Herr Europas sagt dem ungarischen Reichsverweser Horthy im März 1943 man solle “die Bestien” nicht schonen, “die uns den Bolschewismus bringen wollten” - nur der Kenner weiß, dass Hitler 20 Jahre zuvor in einem Interview mit einem amerikanischen Journalisten dem Sinne nach dasselbe gesagt hatte: Japaner und Juden seien alte Völker mit alten Kulturen, aber in den USA könnten die  Japaner nicht zu Staatsbürgern werden, obwohl sie doch nie einen Staat zugrunde gerichtet hätten und nicht, wie die Juden, “carriers of Bolshevism” seien.

   Es kann also kaum einen Zweifel geben, dass das Verhältnis zum Bolschewismus eine von Angst, Hass und Zorn geprägte Grundbeziehung im Leben Adolf Hitlers war. Den möglichen Einwand, es habe sich um einen bloßen Vorwand zum Zweck des Machtgewinns und der Machterhaltung gehandelt, halte ich für unbegründet. Die zweite Frage, die auch in vergleichbaren Fällen zu stellen ist, nämlich ob die leidenschaftliche Erfahrung in der Realität begründet oder vielleicht eine bloße Obsession war, beantworte ich folgendermaßen: Wer die Schilderungen des “Roten Terrors” liest, die der “Volkssozialist” Melgunow in seinem 1924 auf deutsch publizierten Buch gab, dem musste das Blut in den Adern erstarren; wer 1938 wie Joseph Goebbels das Buch von Iwan Solonewitsch “Die Verlorenen” zur Kenntnis nahm, eine der frühesten und bewegendsten Schilderungen des “Gulag”, der musste vor Entsetzen aufschreien; als 1973 der “Archipel Gulag” von Alexander Solschenizyn erschien, da vollzog sich zwar nicht in Deutschland, wohl aber in Frankreich ein tief greifender Umschlag der Stimmung gegenüber der bis dahin vorherrschenden Sowjetfreundlichkeit, und als 15 Jahre später in Paris das “Schwarzbuch des Kommunismus” veröffentlicht wurde, da wurde zwar viel Kritik an vermutlich überhöhten Zahlenangaben laut, aber gegenüber dem Kern der Feststellungen gab es keine begründeten Einwände. Heute ist um die Einsicht, so bestürzend sie sein mag, nicht mehr herumzukommen: dass die späteren Massenmörder - Hitler, Goebbels, Himmler - von Schrecken und Zorn über einen früheren großen Massenmord erfüllt waren und dass sogar die exorbitant scheinenden Zahlenangaben Hitlers aus den zwanziger Jahren zwar vermutlich weit übertrieben, aber keinesfalls erfunden oder aus der Luft gegriffen waren. Diese Männer waren von derjenigen Empfindung geprägt, welche Lenin und Sinowjew zu Unrecht der ganzen “Bourgeoisie” zuschrieben, nämlich einer “bis zum Wahnsinn reichenden Angst und Erbitterung”; und hier einen “kausalen Nexus” abzustreiten, grenzt selbst an Irrsinn.

   Und dennoch können alle diese Feststellungen nicht das “letzte Wort” sein. Der “kausale Nexus” musste nicht die konkrete Form annehmen, die er in der Realität gewann, und der Einwand ist völlig richtig, dass Hitler und seine Leute auf sehr ein-seitige Weise nur den Schrecken erregenden Aspekt des Bolschewismus wahrgenommen hätten und nicht den enthusiastischen und enthusiasmierenden. Ob sie nicht auf indirekte Weise diesen Aspekt sehr wohl wahrnahmen und gerade dadurch beunruhigt wurden, wäre freilich zu fragen, und auf unzweideutige Weise findet sich jene “Anerkennung für den Gegner”, die mitten im politischen Kampf einen Schritt auf die wissenschaftliche Objektivität hin darstellt, nur in der Rede Hitlers vor dem Industrieklub in Düsseldorf am 27. Januar 1932, wo er Lenin eine “gigantische Erscheinung” nennt.

   Vor allem aber ist die Interpretation, die den richtig oder doch halb richtig herausgestellten Tatbeständen zuteil wird, überaus fragwürdig. “Der Jude” ist eine mythologische Figur, und der Begriff führt eine “kollektivistische Schuldzuschreibung” mit sich, welche die vielfältige Realität einem versimpelnden Urteil von bloß moralischer oder moralistischer Art unterwirft, ganz wie der polemisch gemeinte Begriff “Marxismus” die gravierenden Unterschiede der politischen Realität zu übersehen sucht. Freilich liegt eine fast ebenso unzulässige Zusammenfassung solchen Begriffen wie “die Bourgeoisie”, “das Kleinbürgertum”, “die Deutschen” und sogar “die Börsianer” zugrunde, und es hat mit Recht ein Entsetzen ganz besonderer Art hervorgerufen, als die kollektivistische Schuldzuschreibung, welche Hitler und seine Anhänger vornahmen, zu einer Massenvernichtung führte, die im Vergleich zu den Massenvernichtungen der Bolschewiki einen Überschritt von der sozialen in die biologische oder ethnische Dimension darstellt. Insofern wird der “Endlösung” oder dem “Holocaust” oder der “Shoah” mit Recht Einzigartigkeit zugeschrieben, aber diese Kennzeichnung sollte nicht alle weiteren Fragen und  Feststellungen ebenso verhindern, wie die Obsession durch die Schrecken des Bolschewismus auch in der gesamten nationalsozialistischen Literatur sogar den Ansatz zu einem objektiven Verständnis verhindert hat. Gibt es für den ganz besonderen Hass gegen die Juden, den nicht bloß Hitler empfand, nicht doch vielleicht einen verstehbaren, aber deshalb noch keineswegs gerechtfertigten oder auch bloß verständlichen Grund in der Realität? - Für einen Marxisten ist ja doch der Widerstand der Kapitalisten gegen ihre Enteignung vollkommen verstehbar und dennoch geschichtswidrig und illegitim. Gibt es in vielen Juden, ja  in der jüdischen Tradition vielleicht einen Impuls, der bei ihnen ausgeprägter ist als bei den meisten anderen Menschen und den nur ein verblendeter Feind von vornherein “schlecht” nennen kann?

   Margret Boveri druckt in ihrem Buch “Wir lügen alle” einen Artikel Paul Scheffers ab, der damals - 1927 - der Korrespondent des “Berliner Tageblatts” in Moskau war und der zu der schweren Krise Stellung nahm, die damals einen Krieg zwischen England und der Sowjetunion in den Bereich des Möglichen rückte. Scheffer schrieb, die wirklichen Machthaber im Kreml seien für Journalisten unzugänglich und nur mit ihren weltrevolutionären Projekten beschäftigt. Daher befänden sich die Engländer “dem einzigen weltumspannenden  politischen Antrieb”, der heute existiere, unmittelbar gegenüber. Diese Männer aber seien “Kämpfer wie niemand sonst.” Scheffer will nur den weltpolitischen Vorrang der bolschewistischen Sowjetunion herausstellen, und er spricht nicht von “Juden”. Aber es ist in der wissenschaftlichen Literatur unbestritten, dass der zahlenmäßige Anteil von Menschen “jüdischer Abstammung” auch nach der Entmachtung Trotzkis noch sehr beträchtlich war, und mit ebenso großer Selbstverständlichkeit wird von jüdischen Autoren festgestellt, dass die zahlreichen “jüdischen Bolschewisten”, keineswegs, wie die Zionisten behaupteten, “entjudete Juden” waren, sondern dass sie aufs tiefste von der “jüdischen Utopie” des “Reiches Gottes” geprägt waren, freilich eines “Reiches Gottes” ohne Gott. Einer der geistvollsten Juden der Gegenwart, George Steiner, nennt den Marxismus “that utterly Judaic secular messianism”, und Arnold Zweig charakterisierte Rosa Luxemburg im Januar 1919 mit folgenden Worten: “Sie war, sie ist die jüdische Revolutionäre des Ostens, die bis in jede Fiber antimilitaristische, der Gewalt feindliche, schließlich selbst der Gewalt verfallene, ein Leben lang kämpfende Trägerin der Idee. Jüdinnen dieser Art, geweiht in ihrer Besessenheit und ganz rein in ihrem Wollen..... Frauen, und darum der gerechteren Gestaltung dieses Daseins verschrieben, rastlos und von Ungeduld geschüttelt, ohne Wissen von den  besonderen Wegen des russischen oder deutschen Volksgeistes, haben sie den Ideen der Revolution gelebt, und ihnen sind sie gestorben.” Und wenn hier die Bewunderung mit Distanz verbunden ist, so hat sich doch auch wieder und wieder jüdische Selbstkritik gegen dieses jüdische Engagement gerichtet - angefangen von dem großen Historiker Simon Dubnow bis hin zu Sonja Margolina.”

   Ich bin daher überzeugt, dass der Begriff des “jüdischen Bolschewismus” nicht bloß eine bösartige Erfindung zu politischen Zwecken darstellt, sondern dass er geschichtlich gut genug begründet ist, um nicht von der Wissenschaft ausgeschlossen zu werden, wie grauenhaft die nationalsozialistische Konsequenz auch gewesen ist. Nur wenn er nicht mehr von vornherein ausgestoßen und tabuisiert wird, kann “Auschwitz” der eigentlichen Gefahr entgehen, die ihm heute droht, dass es durch die Isolierung vom “Gulag” und von der kriegerischen Auseinandersetzung der beiden großen Ideologiestaaten des 20. Jahrhunderts zwar nicht zur Lüge, wohl aber zum wissenschaftswidrigen Mythos wird. Wenn “der Andere”, d.h. dessen abweichende, argumentativ vertretene Interpretation, verfemt oder gar verboten, statt bloß zurückgedrängt ist, fehlt der Wissenschaft der Spielraum, ohne den sie nicht existieren kann.

   Ich muss indessen zum Abschluss noch in äußerster Kürze auf dasjenige Buch zu sprechen kommen, das eines fernen Tages als mein Hauptwerk gelten mag und das im Untertitel zu diesem Vortrag genannt wurde, nämlich auf die “Historische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte?”, das 1998, wie 35 Jahre zuvor “Der Faschismus in seiner Epoche”, im Piper Verlag erschienen ist.

   Die drei Bücher vom Anfang der neunziger Jahre, diejenigen über Nietzsche, Heidegger und das  Geschichtsdenken im 20. Jahrhundert, gehören insofern eng zu den vorhergehenden, als sie zu zeigen versuchen, dass die Auseinandersetzung zwischen dem Marxismus und einem ganz überwiegend nicht-faschistischen Antimarxismus im 20. und ansatzweise bereits im 19. Jahrhundert die philosophische Parallele zu dem Ringen zwischen dem militanten Universalismus und dem militanten Partikularismus in der Politik gewesen ist. Dass der Nationalsozialismus im Rahmen dieser Konzeption nicht mit einer Serie von Schimpfreden abgetan werden kann, springt ins Auge, aber ebenso klar sollte sein, wie sehr für mich der Umstand der bewegendste Grund zum Nachdenken über die europäische Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte gewesen ist, dass der re-aktive Fanatismus der nationalsozialistischen “Weltanschauung” den ursprünglichen Fanatismus der bolschewistischen Ideologie durch die widermenschliche Schrecklichkeit seiner Taten noch übertraf und dass mithin aus der “Entsprechung” eine “Über-Entsprechung” wurde. Doch auch ohne Studium sollte für jedermann erkennbar sein, dass  zwei große und überaus wichtige Menschengruppen im Zwanzigsten Jahrhundert zu Zielen eines ernsthaften und in der Geschichte tief verwurzelten Vernichtungswillens wurden, nämlich “Bourgeois”, Bürger, und Juden -  zwei Gruppen, die sich zwar vielfältig überschnitten, die aber durch ihre Feinde weitgehend voneinander getrennt wurden. Gerade deren Angehörige sollten sich dem Nachdenken über die Zusammenhänge nicht verweigern.

   Wer in meinem Denkversuch, demjenigen eines “bürgerlichen Intellektuellen” und selbstkritischen Angehörigen der Gesellschaft des “Liberalen Systems”, eine Bagatellisierung oder gar Propagierung des Nationalsozialismus sieht, wie Marcel Reich-Ranicki es tut, stellt damit, wie ich meine, nur den Mangel an Bereitschaft unter Beweis,  sich auf wissenschaftlich notwendige Unterscheidungen einzulassen. Nicht weniger gedankenlos sind diejenigen, die mir ein “Eintreten für die radikale Rechte” zum Vorwurf machen; sie haben nicht zur Kenntnis genommen, dass es schon im “Faschismus in seiner Epoche” für das singuläre Hauptkennzeichen des Liberalen Systems erklärt wird, es lasse auch den grundsätzlichen, den “systemfeindlichen” Gegner zu Wort kommen, freilich nicht zur Tat.

   Das Werk über die “Historische Existenz” kann dem informierten Leser als etwas ganz Neues erscheinen, und er dürfte verwundert sein, wenn er auf den ersten 500 Seiten noch nichts über Marxismus, Faschismus und Kalten Krieg, ja kaum etwas über das Liberale System gelesen hat, wohl aber ganze Kapitel über das Gilgamesch-Epos, über das Alte Testament und sogar über “Ökonomie und Sexualität”. Die auf den ersten Blick verwirrende Vielfalt wird indessen dadurch strukturiert, dass es sich um die Darlegung und Analyse der Kategorien der “Historischen Existenz”, ihrer “Existenzialien”, handelt. Eine solche Darlegung und Analyse ist jedoch erst dann möglich, wenn ein anderer, ein “nachgeschichtlicher” Zustand in den Blick getreten ist, und der informierte Leser wird sich bei der Lektüre zum “Faschismus in seiner Epoche” zurückgeführt glauben, wo gesagt wird, die Gestalt Hitlers sei als der “Abschluss eines Weltalters” anzusehen. So wird der Kampf zwischen Nationalsozialismus und Bolschewismus bzw. Amerikanismus nicht mehr nur als Ringen zwischen einem mit  partikularen Zügen behafteten - insofern “unreinen” - Universalismus und einem wider seinen Willen von universalistischen Zügen durchdrungenen - mithin ebenfalls “unreinen” - Partikularismus gesehen, sondern als die  Auseinandersetzung zwischen zwei Mächten, die sich als Vorkämpfer der Nachgeschichte verstehen, und einem ebenfalls ideologisch ausgerichteten Staat, der die Geschichte retten will und doch deren Hauptwesenszüge zerstört.

   Und damit treten die Juden und mit ihnen der Zionismus in einer Weise hervor, zu der es in den  früheren Büchern nur Ansätze gab, denn die Israeliten und deren Nachfahren, die Juden, haben sich seit bald 3000 Jahren als das “Volk der Nachgeschichte” verstanden, und man kann sie nicht stärker herabwürdigen als durch die Annahme, sie hätten in einer Epoche, als es um ihre eigenste Sache ging, kein stärkeres Bestreben gehabt, als ein ruhiges und unangefochtenes Leben zu führen. Daher ist es vorstellbar, dass jener Leser mich fragte: “Warum verkünden Sie nicht als Endergebnis Ihres Nachdenkens von vier Jahrzehnten die Einsicht, dass “die jüdische Idee” gesiegt hat? Warum beziehen Sie nicht von neuem jene eindeutige Position, die man Ihnen im Jahre 1963 zuschrieb?”

   Darauf muss ich mit einem Geständnis antworten: Ich habe während meiner ganzen bewussten Existenz jene “Menschen, die glauben”, als welche Romain Rolland im Jahre 1920 die Bolschewiki bezeichnete, am höchsten geschätzt - nicht nur die Bolschewiki - und neben den großen Denkern als die einzig würdigen, wenngleich oft genug erschreckenden Gegenstände meiner Studien betrachtet, aber ich habe, vielleicht nur aus Gründen einer allzu späten Geburt, mich keiner dieser Glaubensrichtungen anzuschließen vermocht, und ich habe mich ihnen überall entgegengestellt, sei es auch auf bloß intellektuelle Weise, wo sie nach der totalen Macht zu greifen versuchten. Daher blieb mir nur der Weg des Geschichtsdenkens, der in meinem Fall mit dem der Geschichtswissenschaft mehr oder weniger eng verknüpft war. So habe ich nicht zuletzt den “Verkehrungen und  Paradoxien” des realen Geschichtsverlaufs nachgespürt, und so kann ich zwar vom Sieg einer Idee sprechen, aber nicht vom Sieg bestimmter Gruppierungen, an denen sich vielmehr jene Verkehrungen auf besonders frappierende Weise vollziehen mögen. Und die Idee selbst darf letzten Endes nicht als ethnisch bestimmt gedacht werden, sodass nur der folgende Satz mir verlässlich begründet zu sein scheint: Auch wir Europäer sollten die “Nachgeschichte” oder die “Weltzivilisation”, über die Heidegger so harte Worte gesagt hat, ohne grundsätzliches Widerstreben akzeptieren, aber wir sollten uns, anders als die große Mehrzahl der Amerikaner, bewusst sein, dass diese Nachgeschichte für unabsehbare Zeit stärker von Geschichtlichem durchdrungen sein wird, als ihre Lobredner wahrhaben wollen, und wir sollten das Vertrauen haben, dass diese widerspruchsreiche Realität nicht etwas bloß Negatives ist.